Warum Konsequenz 

beziehungsfördernd ist 

Es ist sicher gut gemeint, wenn der Hund ab und an auch mal ein Signal ignorieren darf und er ab und an mal Menschen anspringen darf. (Natürlich nur, wenn seine Pfoten sauber sind.) Wenn er manchmal nach dem Betteln am Tisch auch mal etwas bekommt. (Natürlich nur, wenn es an Feiertagen einen besonderen Braten gibt) Wenn er auch mal nicht auf unsere Freigabe warten muss, sondern direkt losstürzen darf. Wenn er jetzt ziehen darf, weil es uns als Haltern gelegen kommt, einen Schritt schneller zu gehen, um früher zu einem Termin zu gelangen. 

Mit Verlaub, leider ist gut gemeint nicht immer gleich gut gemacht. 

Es geht bei der viel beschworenen Konsequenz nämlich nicht darum, zu beweisen, dass wir als Menschen die Alleinherrscher in unserem Haushalt und in unserer sozialen Gruppe sind. Viel mehr ist es eine Art Abmachung, die wir mit unseren Hunden getroffen haben, und für unsere Hunde ist es ungemein wichtig, Erwartungssicherheit zu bekommen. Das heißt im Beispiel, wenn unser Hund gerade eigentlich noch lernt, nicht am Tisch um Essen zu betteln, wir aber dieses eine Mal, weil doch Weihnachten ist, das Essen mit ihm teilen, geben wir ihm natürlich für den Moment ein super Gefühl der Zugehörigkeit - und uns selbst freut es auch. Sind die Feiertage nun vorbei, und wir wollen unsere alte Abmachung wieder durchsetzen, muss sich der Hund zwangsläufig damit auseinandersetzen, dass er nun offenbar sozialen Status eingebüßt hat. Er wird wieder ignoriert, wenn er um Essen bittet. Dies sorgt nicht nur für Stress, sondern nagt auch am Vertrauen. Hunde sind äußerst soziale Wesen. Die soziale Stellung ist überlebenswichtig für sie. Der Hund muss sich zu jedem Zeitpunkt genau sicher sein, wo er in der Gruppe steht. Damit ist keine Hierarchie gemeint, sondern die Sicherheit, in der Gruppe versorgt und akzeptiert zu sein. Dies sei mal als Beispiel voran geführt, um ein Grundlegendes Verständnis zu schaffen. Ältere Hunde können sich manchmal auch ohne diese Konsequenz auf ihre Stellung verlassen und werden durch Ausnahmen und Sonderfälle nicht verunsichert, in diesen Fällen möchte ich auch niemandem etwas vermiesen. Viele Hunde genießen diese Selbstsicherheit aber noch nicht. 

Wenn Ihr Eurem Hund zu Weihnachten eine Freude machen wollt, tut dies im Rahmen Eurer Vereinbarungen an seinem üblichen Platz. Wo er sonst frisst, schmeckt es genauso gut. 

Ähnlich verhält es sich bei der Begrüßung oder der Freigabe durch den Menschen. Es geht nicht um diese eine Ausnahme, es geht darum, für unseren Hund transparent und vorhersehbar zu sein. Richtiges ist immer richtig. Fehlverhalten führt nie zum Erfolg. Das schafft viel mehr Vertrauen als ständige Ausnahmen und Augen-zudrücken.